Zeiss Pancolar 55mm 1.4 – ein Schmuckstück im Test

Oft spielt der Zufall im Leben schon eine große Rolle. Als ich vor einiger Zeit mit einem Freund über Fotografie philosophierte und das Gesprächsthema in die Ecke der Analogfotografie abdriftete, erzählte er mir, dass sein Vater noch eine alte Kamera zuhause liegen hat. Ich erwartete nicht viel, da diese alten Kameras meist 0815 Kameras sind, die man auch für wenige Euros auf Ebay oder Willhaben bekommt. Doch diesmal kam es ganz anders:
Denn die Kamera war eine Pentacon mit einem Zeiss Pancolar 55mm 1.4 Objektiv. Ein Objektiv von dem in den 1960er Jahren nur knapp über 5.000 Stück produziert wurden.

Aus diesem Grund ist das in der ehemaligen DDR produzierte Stück auch ein absolut begehrtes Sammlerobjekt und nur schwer am Gebrauchtmarkt zu finden. Und wenn es mal eines in eine Onlinebörse schafft, dann liegt der Verkaufspreis meistens bei rund 1.000 €. Da fiel mir also eine wahre Rarität in die Hände….

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Verarbeitet ist das Objektiv, wie alle Objektive der damaligen Zeit ordentlich und robust, doch die Verstellringe für Blende und Schärfe gleiten geschmeidig wie eh und je – keine Spur von Altersschwäche zu merken. Bemerkenswert ist das stark gelbliche Glas, das sich auf Grund der damals verwendeten Materialen (Thorium) mit der Zeit verfärbt. Wenn gewünscht lässt sich diese gelbliche Färbung aber mittels dem Licht einer UV Lampe entfernen.

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Ein großes Manko hat das Testobjektiv allerdings: Die Blende lässt sich nicht mehr verstellen, und ist deshalb nur auf Offenblende nutzbar. Aber da es mir persönlich am meisten um das angeblich superschöne Bokeh bei Offenblende geht, ist dieser Makel für mich absolut verzeihbar. Und dass das Bokeh wirklich nicht enttäuscht, zeigen die Bilder vom den zwei Tagen, an denen ich das Objektiv testen durfte. Auch direkt Out of Camera sind die Bilder bereits absolut erste Sahne, auch wenn der Gelbstich sehr dominant ist. Dennoch ist dieses natürliche Retro Flair etwas ganz besonderes.

So hatten wir als tricky.pics Team das Objektiv ein Wochenende lang in unserem Gepäck um es bei unseren Fotoshoots immer wieder mal auf die Kamera zu packen, und einige Testshots zu machen. Einige Rohbilder, die direkt aus der Kamera kommen gibt es hier:

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Bereits hier lässt sich das tolle Bokeh bereits erahnen, auch wenn das Objektiv bei Offenblene doch den einen oder anderen Bildfehler (türkise Farbsäume an den Kanten) aufweist. Wenn man sich die Zeit nimmt und ein bisschen in der Nachbearbeitung herumspielt, kommt das Flair des Objektivs richtig gut zur Geltung. Besonders bei Schwarz-Weiß Aufnahmen wirkt das Bokeh extrem weich und smooth.

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Fazit:

Auch wenn der fehlende Autofokus schon ziemlich zu schaffen macht, und der Gelbstich sicher nicht jedermanns Sache ist, ist das Pancolar 55mm besonders bei Portrait- und Naturfotografie eine tolle Alternative zu modernen 50mm Objektiven. Vorausgesetzt man hat genug Zeit für zahlreiche missed Shots auf Grund des Autofokus.

 

 

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